IWO: Interkommunale Radwegeverbindung zwischen Oberhausen und Mülheim

Herrn Oberbürgermeister
Daniel Schranz
Schwartzstr. 72
46045 Oberhausen

Anregung nach §24 der Gemeindeordnung des Landes Nordrhein-Westfalen

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Daniel Schranz,

hiermit regen wir gemäß §24 der Gemeindeordnung des Landes Nordrhein-Westfalen wie folgt an:
Die Verwaltung der Stadt Oberhausen möge mit der Stadtverwaltung Mülheim Gespräche
aufnehmen, um eine interkommunale Radwegeverbindung zwischen Oberhausen und Mülheim zu
konzipieren und umzusetzen, die Radfahrern aber auch Fußgängern einen schnellen und sicheren
Anschluss an den Radschnellweg 1 ermöglicht.

Dabei soll ein gemeinsames Konzept erstellt werden, das in Absprache mit dem Regionalverband
Ruhr möglichst umfassend als Radschnellweg förderfähig ist.
Diese Radwegeverbindung soll eine Nord-Südachse zwischen den Städten bilden, und den
Hiberniadamm zwischen Mülheim-Styrum und Oberhausen-Stadtmitte (Grenzstraße) als schnelle
stadtübergreifende Trasse nutzen. Die zu schaffenden Anschlüsse der Bezirke Styrum, Alstaden und
Stadtmitte sollen dabei berücksichtigt werden.
Ferner soll mit der Stadt Mülheim geklärt werden, inwiefern der weitere Verlauf vom Bahnhof
Styrum bis zum Radschnellweg 1 gestaltet werden kann. Zu prüfen wäre, ob dabei die vorhandenen
Radwege entlang der Albertstraße, Siegfriedstraße, Styrumer sowie Broicher Damm genutzt bzw.
ausgebaut werden können.
Es soll ebenfalls mit der Stadt Mülheim geklärt werden, wie – ausgehend vom Broicher Damm –
ein Anschluss an den RS1 etwa über den kreuzenden Ruhrtalradweg hergestellt werden kann.

Begründung:
Der Radschnellweg RS1 ist als durchgängige Radwegverbindung zwischen Ost und West, d.h.
Hamm und Duisburg konzipiert. Die sichere, weil vom Autoverkehr getrennte Strecke ist 101
Kilometer lang und soll den Straßenverkehr um wenigstens 52.000 PKW-Fahrten pro Tag entlasten
(siehe Machbarkeitsstudie des RS1).

Für die angeschlossenen Städte ergeben sich zahlreiche ökologische wie ökonomische Vorteile:
– Entlastung des Straßenverkehrs und bessere Aufenthaltsqualität für nicht-motorisierte
Verkehrsteilnehmer,
– Entlastung des Autoverkehrs (400.000 Kilometer täglich),
– Reduktion von Schadstoffen (jährlich 16.600 Tonnen CO2),
– ein gleichberechtigtes, d.h. sicheres und schnelles Fortkommen für Radler aber auch für
Fußgänger,
– zusätzlich zum hohen Pendlerwert ein hoher Freizeitwert,
– Stärkung der Teilhabe an der Mobilität durch das vergleichsweise günstige Fahrrad,
– ein großer Schritt hin zur Gleichberechtigung des Fahrrads im Straßenverkehr (Modal Split)
und einer fahrradfreundlichen Stadt.

Derzeitiges Manko des RS1: Es fehlen ergänzende Nord-Süd-Trassen, welche die abseits
liegenden Innenstädte verbinden. Oberhausen profitiert daher nicht von den Vorteilen des
Radschnellwegs.

Vorteile eines Radweganschlusses für Oberhausen:
Auch in Oberhausen ist jeder zweite Arbeitnehmer ein sogenannter Pendler, das sind rund
50.000 Menschen (WAZ, 6.11.2014: „Zehntausende Pendler in Oberhausen unterwegs“). Allein
9900 Auspendler fahren täglich nach Duisburg, 7064 nach Mülheim, 8172 sogar bis nach Essen.
Dagegen kommen 7714 Duisburger, 4182 Mülheimer und 5273 Essener zum Arbeiten in unsere
Stadt.
Kurzum: Die Hälfte der Oberhausener Pendler – rund 25.000 Menschen – können täglich von
einem schnellen Radwegenetz wie dem RS1 im hohen Maße profitieren.
Hinzu kommen allein 17.000 Menschen aus den genannten Nachbarstädten.
Zusammen sind das 42.000 Ein- und Auspendler jeden Tag.
Die Stadtteile Alstaden und Styrum, insbesondere das Neubaugebiet Rechenacker wird
familienfreundlich an ein schnelles und sicheres Radnetz zu den Innenstädten Oberhausen
und Mülheim angeschlossen.

Ein Anschluss an den RS1 hat für die Stadt Oberhausen folglich einen vergleichsweise hohen
Nutzen durch:

  • hohe Entlastung der Straße,
  • hohe Schadstoffreduzierung,
  • hohe Aufenthaltsqualität,
  • mehr Teilhabe.

Radwegführung „Hibernia-Trasse“:
Die Hibernia-Trasse beginnt aus Oberhausener Sicht unmittelbar vor dem Stadtzentrum an der
Grenzstraße. Sie führt von Nord nach Süd zunächst parallel zwischen einer Kleingartenanlage und
der Lenaustraße, kreuzt die Akazienstraße (Brücke) bevor sie parallel zur Hiberniastraße in
Richtung Ohrenfeld verläuft.
Dort schlägt der Damm einen Linksbogen in Richtung Bahnhof Styrum. Dabei überquert die Trasse
erst die A40 bevor sie nach gut zweieinhalb Kilometern auf Mülheimer Stadtgebiet an der
Überbrückung der Steinkampstraße ausläuft bzw. mit den noch aktiven Bahnstrecken
zusammengeführt wird.
Von diesem Punkt aus ist der weitere Verlauf mit der Stadt Mülheim zu planen. Aus unserer Sicht
kann die Strecke auf einen bestehenden Radweg entlang der Albertstraße geführt werden bis zur
Siegfriedstraße.
Dort führt er auf der Siegfriedbrücke über die Bahnstrecke und schließt unmittelbar an der
bestehenden Radstrecke Styrumer/Broicher Damm an.
Nach circa einem Kilometer, kurz hinter der blauen Styrumer Brücke kreuzt der Radweg den
Ruhrtalradweg. Dort könnte ein Anschluss (Rampe) hergestellt werden.
Der weitere Ruhrtalradweg verläuft nach Süden auf das Müga-Gelände und unterhalb der
Eisenbahnbrücke, die derzeit für den Radschnellweg saniert wird.
Vom Ruhrtalradweg aus wird nach Planung des RVR eine Rampe hoch zum RS1 verlaufen. Damit
ist nach insgesamt gut 5 Kilometern der Radweganschluss in Richtung Duisburg und Essen
hergestellt.

Was ist zu tun?
a) Um die Hibernia-Trasse nutzen zu können, müssen verschiedene Auf- und Überfahrten (Brücken)
hergestellt werden an der Grenzstraße, Akazienstraße, Landwehr, Fritz-Eickelen-Straße, Ohrenfeld.
b) Es muss ein Anschluss erfolgen an den Radweg Albertstraße. Diese Verbindung kann
möglicherweise auf dem Bahngeländer erfolgen oder muss über eine Rampe geschaffen werden.
c) die Siegfriedbrücke kann für mehr Radverkehr erweitert werden.
d) direkter Anschluss des Broicher Damms an den Ruhrtalradweg
e) Anschluss des Ruhrtalradwegs an den RS1 (bereits in Planung)

Zeit für das Fahrrad ist reif: Finanzen für den Ausbau steigen

Die Städte kämpfen für gute Klimabedingungen nicht nur seit dem Diesel-Skandal. Dennoch ist
durch die aktuellen Ereignisse unterstrichen worden: Oberhausen gehört zu den 28
Luftqualitätsgebieten in Deutschland, in denen anhaltend (!) gegen NO2-Grenzwerte verstoßen
wird. Ein wesentlicher Beitrag zu der Verschmutzung liefert der motorisierte Individualverkehr.

Das Fahrrad und eine gute Radinfrastruktur hingegen bieten die Chance, das Auto-orientierte
Denken in den Köpfen von Bürgern und in der Stadtplanung zu verändern.
Wichtig dabei ist: Die finanziellen Mittel für eine solche Trendwende werden nun deutlich wachsen.
25 Millionen Euro jährlich hatte der Bund bislang für den Ausbau von Radwegen zur Verfügung
gestellt, im April 2017 sollte dieser auf 100 Millionen aufgestockt werden.

Der Diesel-Gipfel am 2. August 2017 beschloss, einen Fonds „Nachhaltige Mobilität für die Stadt“
mit 500 Millionen Euro für „jede von der EU Kommission benannten, von besonders hohen NO2-
Belastungen betroffenen Regionen“ aufzulegen. Oberhausen gehört zu diesen 28 Regionen. Dort
soll ein Masterplan (City-of-green) aufgelegt werden, der die Radinfrastruktur einbezieht.
Zusätzlich will die Bundesregierung laut Diesel-Gipfel Förderprogramme zur Reduzierung von
Schadstoffemissionen für Städte erweitern. Ein Aspekt dabei ist die „Förderung des Radverkehrs“
Hier sollen die Mittel offenbar auf jährlich 200 Millionen Euro (statt 100 Mio, s.o.) aufgestockt
werden.

Zukunft und Vision

Die Radstrecke der Hibernia-Trasse muss an der Grenzstraße nicht enden. Attraktiv wäre es, wenn
man einen Anschluss an den Norden Oberhausens schaffen kann. Wir sehen viel Potenzial etwa im
Zuge einer Erweiterung der Stoag-Trasse um einen Radweg, der möglicherweise über das
Bahngelände an die Hibernia-Trasse angeschlossen werden könnte oder aber eines Radwegs parallel
zur geplanten Betuwe-Linie. Der Vorschlag des Stadtverordneten Werner Nowaks, den dort zu
errichtenden Sicherheitsweg als Radweg auszuweiten (WAZ, 20.7.2017: „Neue Fraktion für
Bezirksvertretung Sterkrade“), ist in unseren Augen ein interessanter Hinweis, wie das Pendeln aber
auch Tourismus und Freizeit in Richtung Münsterland und Niederlande attraktiv gestaltet werden
könnte. Das aber ist im Augenblick Zukunftsvision.

Wir bitten Sie daher als Chef der Verwaltung, sich für einen gleichberechtigten Radverkehr in der
Stadt einzusetzen und die Gespräche zwischen den Verwaltungen der Städte Oberhausen und
Mülheim zur Erarbeitung und Umsetzung eines interkommunalen Radwegs mit Anschluss an den
RS1 voranzutreiben.

Mit freundlichen Grüßen

Manuela Kaiser, Karl van den Mond, Udo Sommer
(Unterschriftenliste: „Gleichberechtigtes Fahrrad – besseres Klima! Oberhausen braucht den
Anschluss an den Radschnellweg RS1“)