Interesse an der Hiberniatrasse

WAZ | 15.08.2017 |

Mülheimer Parteien fordern eine umfassende Prüfung des Vorschlags. Bessere Radwegeverbindung mit Oberhausen wichtiger Teil des regionalen Netzes

Steffen Tost

Styrum. Die täglichen Pendlerzahlen zwischen Mülheim und Oberhausen sind beachtlich. Laut Nahverkehrsplan fahren täglich 7029 Oberhausener (2013) nach Mülheim, um dort zu arbeiten. In umgekehrter Richtung sind es immerhin 4186. Hinzu kommen Fahrten von Schülern, Kunden und Besuchern von kulturellen Freizeiteinrichtungen. Da die Städte direkt aneinander grenzen, sind die Wege meist kurz, so dass das Fahrrad als Fortbewegungsmittel sinnvoll ist.

Deshalb begrüßen die Mülheimer Parteien zunächst grundsätzlich die von der Oberhausener CDU und einer freien Bürgergruppe unabhängig voneinander angeregten Vorschlag, eine weitgehend kreuzungsfreie Verbindung zwischen beiden Städten zu prüfen. Dafür müsste, in Verlängerung des vor zehn Jahren diskutierten Stadtpfades Styrum, eine alte Güterbahnstrecke („Hiberniatrasse“) reaktiviert werden. Die Fortführung dieses „Pfades“, der bislang nur ein Stück weit zwischen Bahngleisen und der Albertstraße realisiert wurde und am Bahnhof Styrum endet, ist allerdings nicht ganz einfach. Und nahe der Oberhausener Innenstadt wäre ganz Schluss. Vier Brücken müssten gebaut werden. Der Weg würde zwar einen großen Bogen machen, den Umweg hält Karl van den Mond für vertretbar. Das ehemalige Mitglied der zerbrochenen Oberhausener BOB-Fraktion, das mit Gleichgesinnten den Vorschlag forcierte, weist auf drei Punkte hin: die erhöhte Sicherheit, das flottere Fahren durch die Brücken und die Anbindung weiterer Quartiere.

Vernetzung der Städte

Axel Hercher, der für die Grünen in der für Styrum zuständigen Mülheimer Bezirksvertretung 2 sitzt, möchte in der nächsten Sitzung die dortige Verwaltung nach den Realisierungschancen fragen. Er weist auf einen weiteren Punkt hin. Im Zusammenhang mit den Erweiterungsplänen von Aldi in Styrum soll der Müga-Radweg verlegt werden. Sinnvoll wäre es, so Hercher, den Weg dann breiter zu bauen als den bisherigen. Auch der ADFC, dessen Sprecher er ist, begrüßt den Vorschlag. „Wir sind aber realistisch genug, auch die Probleme zu sehen“, gibt er zu.
Claus Schindler, planungspolitischer Sprecher der SPD Mülheim, findet diesen Vorschlag „richtig und wichtig“. Es sei eine konsequente Ergänzung zum Radschnellweg. „Wenn man es ernst meint mit dem Radverkehr im Alltag, dann ist es nicht damit getan, sich mit einer optimalen Ost-West-Verbindung im Revier zu brüsten“, findet er. Es müsse auch eine konsequente Vernetzung zu den Nachbarstädten geschaffen werden. Dies war Ziel eines gemeinsamen Antrages mit den Grünen, der vom Mülheimer Rat beschlossen wurde. Die Hiberniatrasse hält er für interessant. Nun hoffe er, dass der neue Verkehrsminister die Bedeutung des Radverkehrs genau so hoch einschätze wie der Vorgänger.