Radkultur braucht die Gleichberechtigung als großen Wurf

und ein fixes Budget im Haushalt – eine Antwort auf Nadine Gewehrs Kommentar in der WAZ Oberhausen vom 23. November 2017.

Gerne haben wir den Kommentar von Journalistin Nadine Gewehr in der WAZ vom 23. November 2017 gelesen. Ja! Wir brauchen große Ideen, wenn es um die Mobilität in Oberhausen geht. Das Konzept der Autostadt ist an sein physikalisches Ende gelangt – die innerstädtischen Straßen lassen sich weder weiter ausbauen noch ihr Verkehrsfluss wesentlich optimieren. Das Rad etwa hat im Ruhrgebiet einmal gut 40 Prozent Verkehrsanteil gehabt, heute sind es etwas mehr als sechs. Die Gleichberechtigung der Verkehrsteilnehmer ist aus unserer Sicht die ökologisch und ökonomisch richtige Antwort auf die Mobilitätsprobleme. Und auch hier hat Nadine Gewehr recht: Autofahren darf nicht länger zu Lasten der anderen Teilnehmer gestaltet werden.

Wer sich mit Stadtplanung und Verkehr auseinandersetzt, kann deshalb nicht zufrieden sein mit den Antworten der Verwaltung auf die drängenden Mobilitätsprobleme. Induktionsschleifen und Fahrradboxen sind Hilfen für die wenigen eisernen Radfahrer in unserer Stadt. Das Ziel muss es aber sein, die Zahl der Radler im großen Stil zu erhöhen, Autofahrer zum Umstieg zu bewegen. Gut 40000 Menschen pendeln täglich zwischen Oberhausen, Essen, Duisburg und Mülheim, und damit im Radius von knapp zehn Kilometern – eine ideale Fahrraddistanz.

Die Planung gleichberechtigter Teilnehmer gelingt aber nur, wenn die Stadt ein Budget im Haushalt verankert, mit dem sich etwa ein Radwegenetz konzipieren und ausbauen lässt, das nicht wie bislang an die Entwicklung von Autostraßen geknüpft ist. Karlsruhe hat dies vorgemacht. Nachbar Mülheim bewirbt sich bereits um die Fördermittel von einer Milliarde Euro, die der Bund laut Diesel-Gipfel bereit stellen wird.

Und Oberhausen? Wir stellen fest, dass die Politik diese Entwicklung just verschläft. Der Haushalt ist ein wichtiges Mittel der politischen Gestaltung, doch es gibt von keiner Partei Impulse, um Verkehrsalternativen zu gestalten. Mit nur 100 000 Euro Eigenanteil und einem Konzept ließen sich leicht eine Millionen Euro Förderung gewinnen – so viel, wie Karlsruhe jährlich für den Bau und Erhalt ihres Radwegenetzes ausgibt, das übrigens nun bei 23 Prozent Verkehrsanteil liegt.

Zur Ratssitzung am Montag (27. November 2017) haben wir die Politik gebeten, ein Mindestbudget als Eigenmittel in den Haushalt einzustellen, mit dem sich die Stadt auf die Fördermittel im Bund bewerben kann. Eine Resonanz gab es darauf nicht.

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